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Die Schneekönigin

- eigentlich keine Göttinnengeschichte, aber irgendwie doch?

Wohl die meisten von uns kennen das Märchen von Hans-Christian Andersen von der Schneekönigin, die den kleinen Kay einfängt und zu sich nach Lappland holt. Schwierige Wege muss die kleine Gerda zurücklegen, um ihn wiederzufinden und nachhause zu holen. Nur Gerdas Liebe führt dazu, dass sein Herz schmilzt und ihm der Splitter aus dem Auge gespült wird, so dass er schlussendlich das Eisspiel des Verstandes gewinnt und auf einmal vermag, das langgesuchte Lösungswort „Ewigkeit“ mit den Spielsteinen zu schreiben, die ihm die Schneekönigin gab. Die Schneekönigin hatte gesagt: “Kannst du diese Figur ausfindig machen, dann sollst du dein eigener Herr sein, und ich schenke dir die ganze Welt und ein Paar neue Schlittschuhe.”

Obwohl es ein sogenanntes „Kunstmärchen“ ist und damit wohl kein Vorbild in der Volkserzählung hat, gibt es interessante Aspekte für die Göttinnenforschung finde ich…

Spannend an der Geschichte ist zum Beispiel, dass es lauter Paare gibt, die sich ergänzen:

Der kleine Kay und die kleine Gerda – er ist ein „echter“ Junge, ab dem Zeitpunkt, zu dem ihn der Eissplitter ins Herz trifft. Hier lautet das Spiel: Mädchen sind doof, Jungs intelligent. Kay ist garstig, um sich als echter Kerl zu zeigen, er sitzt dafür einsam im kalten Eispalast und vergisst sein ehemals warmes Herz. Gerda dagegen ist lieb zu allen Wesen, die sie trifft; diese helfen ihr dafür weiter. Naja, das hört sich jetzt nach den üblichen Klischees über Männer und Frauen an, oder?

Dabei bleibt es aber nicht: Gerdas Reise lässt sie viele bisher unbekannte Seiten an sich entdecken. Sie wird erst einmal von einer lieben alten Frau eingefangen und verliert – wie Kay bei der Schneekönigin – ihr Gedächtnis. Erst als sie entdeckt, dass die Rose in ihrem Leben fehlt, findet sie ihr Gedächtnis wieder. Wofür steht die Rose? Von altersher eben nicht nur für Reinheit, sondern vor allem für die Göttin Venus und damit auch für Sexualität.

Sodann muss Gerda eine Nacht mit dem Räubermädchen verbringen und fürchtet sich sehr, weil das Räubermädchen nicht nur ziemlich schmutzig ist, sondern ihr auch noch dauernd mit einem langen Messer vor der Nase herumfuchtelt und kühne Sprüche klopft. Nicht sehr göttinnenhaft? Irrtum. Denkt mal an Baubo. Dass Erdgöttinnen, die im Schlamm herummantschen, dabei immer perlweiße Gewänder tragen, hab ich noch nie geglaubt. Was ist der Lohn für die Auseinandersetzung mit den Schatten? Am nächsten Morgen, als Gerda ihre Mutprobe bestanden hat, hilft ihr das Räubermädchen weiter und trickst für sie sogar die eigene Mutter aus.

Die wilde Krähe und ihre gezähmte Geliebte, die am Königshof lebt, arbeiten zusammen, um Gerda zu helfen. Gerda versteht es also nicht nur, in der Natur zu überleben, sondern sie kommt auch in der komplizierten höfischen Gesellschaft klar.

Sogar zur eigentlich ja einzigartigen Schneekönigin gibt es auf den zweiten Blick in der Geschichte Antipoden – zunächst natürlich die alte Großmutter von Kay. Diese ist aber machtlos gegenüber der Schneekönigin – oder lässt sie nur zu, dass die Kinder ihre eigenen Erfahrungen machen, um erwachsen zu werden?

Hilfreich ist dagegen die junge schöne Prinzessin, bei der Gerda im Laufe der Geschichte landet. Diese Prinzessin hat sich – wie die Schneekönigin Kay – einen klugen Mann erwählt. Gut gefällt mir die Stellenbeschreibung von Andersen: “sie wollte einen Mann haben, der zu antworten verstehe, wenn man mit ihm spräche; einen, der nicht bloß dastände und vornehm aussähe, denn das sei zu langweilig”. Die Prinzessin wählt unter all den Bewerbern den aus, der nicht gekommen war zum Freien, sondern nur, um der Prinzessin Klugheit zu hören; und die fand er gut, und sie fand ihn wieder gut”. Anders als Kay bei seiner Schneekönigin hat dieser Mann sein Herz bei der Hochzeit also behalten und er fürchtet sich nicht vor seiner Frau. Ihre Gleichberechtigung zeigt sich daran, dass sie nebeneinander in gleich schönen, aber unterschiedlich farbigen Betten schlafen; die Prinzessin im weißen Bett, der Prinz im roten. Jeder darf also auch nach der Hochzeit so unterschiedlich bleiben wie er ist.

Interessant an der Farbwahl finde ich, dass wir ja wissen, dass die junge Göttin in weiß geht, die reife fruchtbare Göttin dagegen ein rotes Kleid trägt und dass beide Facetten der großen dreifachen Göttin sind. Während Kay zunächst also seinen Verstand als einzige Geliebte erkürt und daran fast erfriert, integrieren Prinz und Prinzessin ihre Seiten und werden so gemeinsam erwachsen und glücklich. Vielleicht ist die schwarze wilde Krähe (die in der Geschichte später dann auch noch stirbt), das Überbleibsel der dritten Göttin, der schwarzen weisen Alten. Möglicherweise ist aber auch die Schneekönigin, die Kay prüft und gar nicht lieb ist, eigentlich – trotz ihrer weißen Farbe – diejenige, welche die Rolle der weisen Alten übernimmt.

Schließlich kann Kay das Rätsel der Schneekönigin lösen, nachdem er entdeckt hat, dass er Gerda liebt und dass sie zusammengehören. „Ewigkeit“ winkt demjenigen, der alle seine Seiten integriert hat. “Kannst du diese Figur ausfindig machen, dann sollst du dein eigener Herr sein, und ich schenke dir die ganze Welt und ein Paar neue Schlittschuhe.” Das ist doch das Paradies, oder?

 
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Geschrieben von - 28/02/2011 in Göttin & Gott

 

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Spannendes Verlagsprojekt: Die Mythen

Gemeinsam mit 35 internationalen Verlagen hat der Berlin Verlag ein einzigartiges Projekt ins Leben gerufen – die Buchreihe Die Mythen. Sie startete 2005 weltweit gleichzeitig als Auftakt zu einer verlegerischen Herkulestat. Renommierte Schriftsteller aus der ganzen Welt versammeln sich zu diesem groß angelegten literarischen Unternehmen und schaffen mit ihren ganz eigenen Versionen mythischer Geschichten einen modernen Kanon klassischer Erzählkunst.
Dieses Projekt soll noch 10 bis 15 Jahre fortgesetzt werden.

Leider ist der Berlin Verlag offenbar nicht in der Lage, vernünftig Werbung für die Serie zu  machen. Auf der Seite des Verlags zu suchen, dauert unzumutbar lange und ergibt keine vollständige Übersicht. Dies wird im Netz schon seit Jahren beklagt, aber nicht geändert.

Einen Überblick gibt http://www.literaturschock.de/lsf/index.php?topic=13557.0, der allerdings vermutlich nicht aktuell gehalten wird. Trotzdem ein schönes Projekt…

Nachtrag: Heute (20.04.2011) nochmal gesucht. Jetzt geht es über die Suche (wenn auch “von hinten durch die Brust ins Auge”) und ich habe diesen Link herausbekommen:

http://www.berlinverlage.com/bucher/bucherlist.asp?genre=14 Ob das nun vollständig ist, weiß ich nicht. Das letzte Buch ist von 2009?

 
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Geschrieben von - 28/02/2011 in Buch

 

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Luisa Francia, Weidenfrau und Wiesenkönigin

Magie und Heilwissen aus der Natur.

Von Luisa Francia (www.salamandra.de). Verbindet Geschichten von der Göttin in ihren unterschiedlichen Gestalten mit Kräuterwissen und Bildern der Autorin. Nymphenburger Verlag, 2009.

 
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Geschrieben von - 28/02/2011 in Buch

 

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Ursula Stumpf, Pflanzengöttinnen und ihre Heilkräuter

Menschen naturnaher Kulturen erkannten in der Urkraft der Vegetation immer die Wirkung göttlicher Wesen: Es waren meist weise Frauen und Heilerinnen, die sich mit Pflanzen-Göttinnen verbanden, sie verehrten und mit ihnen im Rhythmus der Jahreszeiten lebten. So entstand ein unschätzbares Wissen, eine Jahrhunderte alte Weisheit über die Heilkraft der Natur.

  • Auf den Spuren von zwölf Göttinnen: Flora, Ostara, Freya oder Holle und ihre Lieblingspflanzen
  • Heilkraft von 46 heimischen Pflanzen, die wir von Januar bis Dezember entdecken und nutzen können 
  • Mit zahlreichen Anwendungen und Rezepten

Ursula Stumpf schöpft aus dem Erfahrungswissen von über 20 Jahren eigener Heilpraxis. Sie macht die Weisheit der alten Mythologien lebendig und entwickelt daraus eine angewandte Kräuterkunde für die Bedürfnisse der heutigen Zeit. Dabei ist sie inspiriert von den immer währenden Naturkräften und führt uns zum Urbild der großen Vegetationsgöttin. Sie zeigt uns die Göttin in uns.

Mehr über Ursula Stumpf: www.kraeuterweisheiten.de

 
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Geschrieben von - 28/02/2011 in Buch

 

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Göttinnen und Weisheit

Gerade komme ich von einer Ausstellungseröffnung im Wiesbadener Frauenmuseum.

Das ganze Jahr 2011 über zeigt das Museum – neben seinen immer interessanten kürzeren Einzelausstellungen – seinen Bestand an Göttinnenfiguren – wunderschön und eindrucksvoll. Thema: “Göttinnen und Weisheit”.

Neben den sehr inspirierten Museumsfrauen, die äußerst kompetent und launig in die Ausstellung einführten, las heute zur Eröffnung Vera Zingsem aus ihrem neuesten Buch “Freya, Iduna & Thor – Vom Charme germanischer Göttermythen“.

D.h. eigentlich las sie nicht, sondern erzählte. Und wie sie erzählte! Sie sprühte nur so vor Witz und Begeisterung für unsere alten Göttinnen und Götter. Lauter Themen, die auch für die Frau von heute relevant sind: Von Freyas Karriere bei den Asen. Wie wichtig Iduna und ihre Äpfel für die ewige Jugend der Götter sind. Dass die Vernichtung des “Feinds” nicht immer der klügste Weg ist, auch wenn man dabei wie Tyr seine rechte Hand verliert.

Nicht zuletzt und sehr berechtigt wies Vera Zingsem darauf hin, dass es eigentlich völlig unpassend ist, dass gerade die Nazis sich diesen Pantheon unter den Nagel gerissen haben: Sind doch diese Göttinnen und Götter weder unsterblich noch perfekt. Sie lieben einen guten Scherz und sind noch dazu demokratisch organisiert! Es lohnt sich, dass wir uns diesen Teil unserer Geschichte zurückholen und uns ihrem Charme hingeben.

Dass Artemis die Göttin der Jagd und dass Athene die Göttin der Weisheit ist, habe ich als Jugendliche mit Begeisterung gelesen. Dass wir aber eine Liebesgöttin in unserer Geschichte haben, die nicht nur unwiderstehlich ist, sondern außerdem eine mächtige Kriegerin – über diese Freya habe ich nichts in der Schule gelernt. Dass es einen Gott gibt, der bereit ist, sein Auge zu opfern, um Weisheit zu erlangen, über diesen Odin hat mir niemand erzählt. Ich beschäftige mich nun schon einige Zeit mit den Germanischen Gottheiten, denke aber, dass sie in der Schule immer noch nicht so recht angekommen sind.
Es wäre schön, wenn sich mit dem Buch von Vera Zingsem daran jetzt etwas ändert! Es ist sicherlich auch für Jugendliche gut zu lesen.

 
 

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