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Die Sonnengöttin aus der Höhle locken

Der nachfolgende Mythos kommt (einschließlich der pikanten Details) aus Japan. Ich habe sie schon oft auf Kräuterwanderungen erzählt. Ihre wahre Bedeutung ist mir aber erst angesichts des aktuellen Wetters so richtig bewusst geworden. Und so habe ich sie heute neu gefasst und erzählt.

Mit feuerrotem zornglühenden Gesicht rennt Amaterasu, die Sonnengöttin, zu ihrem Vater, dem Himmelsgott.
Völlig außer Atem, schreit sie schon von der Türschwelle:
„Vater, schaff mir Genugtuung! Dieses Mal darf mein ungeratener Bruder mir so nicht davonkommen – er hat mit seinen Soldaten meinen Tempel entweiht, sie haben in meine Gärten gekackt, meine Priesterinnen geschändet, die Schätze geraubt!
Das darfst Du ihm nicht durchgehen lassen!“
Der Himmelsvater blickt milde und sehr weit entfernt auf seine wütende Tochter herab, und schüttelt bedauernd den Kopf. „Meine Liebe, Du weißt doch, dass ich mich nicht einmischen darf, wenn Susanowo, Gott des Meeres und der Stürme, sich austobt. Das kosmische Gleichgewicht könnte gestört werden…“

„Blablabla – immer bevorzugst Du meinen Bruder, aber diesmal kommst Du mir nicht davon. Du wirst schon sehen, was mit dem kosmischen Gleichgewicht passiert, wenn ich nicht mehr mitspiele!“ sprach Amaterasu und stob auf und davon.

Erst merkte man nichts. Sturm und Regen hatten auch die Tage zuvor schon heftig getobt. Die Menschen hatten sich schon fast daran gewöhnt, immer ein Handtuch und ein trockenes 2. Kleidungsstück mit sich herum zu tragen, so tobte sich Susanowo in diesem Winter aus.

Aber eigentlich wurde jetzt doch Frühling, und die Tage sollten wieder länger werden.
Davon merkte man allerdings nichts. Alles blieb sonderbar grau und trübe, und immer die Regenbomben von Susanowo, die dazwischen pflatschten. Die Pflanzen wuchsen, aber es wurde und wurde einfach nicht wärmer, und die Menschen fröstelten.

So blieb es auch, als die Sommerzeit herankam, und so fingen sie an, sich Sorgen zu machen. „Wo ist unsere Mutter, die Sonne?“, fiel ihnen plötzlich auf. „Schon so lange strahlt sie nicht mehr fröhlich vom Himmel. Verbirgt sie sich hinter den Vulkanauswürfen des vorletzten Jahres?“
Ein anderer vermutete, dass Amaterasu sich in die Wolken geflüchtet habe, um das Panzergrollen nicht mehr hören zu müssen, das ihr vom ganzen Erdball entgegenschallt.
„Oder treibt sie eventuell mit einem Eisbären auf einer Eisscholle, immer kurz vor dem Abrutschen ins eiskalte Meer, dem Gefilde ihres Bruders?“

Die Göttin blieb verschwunden und niemand wusste, wo sie war.
Und langsam wurde es den Menschen so kalt und nass, dass es ihnen nicht mehr reichte, in jedem Gespräch nur übers Wetter zu schimpfen. Sie wollten endlich Taten sehen und wandten sich an die Götter und die Regierung.  Laut tönte ihr Gejammer dem Himmelsgott in den Ohren und drang sogar bis zum Kaiser. Beide schüttelten nur unwillig den Kopf und meinten, sie dürften sich nicht einmischen, und das kosmische Gleichgewicht… Da braute sich ein anderer Sturm
zusammen als der von Susanowo.

Eine Göttin aber, die einstige Amme von Amaterasu, dachte sich: „Auch wenn mein Milchkind die Sonne ist und ihr deshalb kaum etwas zugestoßen sein kann, will ich mich doch auf die Suche nach ihr machen, denn ich entbehre ihren hellen fröhlichen Glanz und die Menschen werden nur zusätzliches Unheil stiften, wenn wir sie weiterhin im Regen stehen lassen“.

Also machte sich Uzume auf die Suche nach Amaterasu. Alles an ihr hing, denn sie war schon sehr alt. Und alles an ihr troff, denn es regnete immerfort weiter. Ungebrochen war das Funkeln in ihren Augen und die Liebe in ihrem Herzen, und so ging sie. Und ging.
Sie schaute hinter den Bäumen und den Wasserfällen nach, in den Fuchslöchern, fragte die Adler, die Delphine, die Pferde und den Phönix, keiner hatte Amaterasu gesehen.

Schließlich fragte sie eine Schabe, denn diese sind uralt und haben schon so viel gesehen. „Warum soll ich Dir helfen? Mir macht das Wasser nichts aus und niemand kümmert sich jemals um mich, außer um mich zu zertreten“. Uzume verbeugte sich, nickte, und ging.
Sie traf auf einen Fluss, denn dieser kommt viel herum. „Warum soll ich Dir helfen? Schau wie groß und mächtig mich der Regen macht. Er schwemmt all den Unrat fort, den die Menschen in mich werfen und ich komme endlich mal wieder aus meinem Bett heraus“.
Uzume verbeugte sich, nickte, und ging.
Sie fragte eine Pusteblume, und diese erinnerte sich. Eines ihrer Kinder, das mit dem Regen getanzt und weit herum gekommen war, hatte ihr eine Postkarte geschickt.
Sie kramte sie heraus und zeigte sie Uzume. „Siehst Du diesen Berg und den Glanz, der auf ihm liegt? Versuch es dort.“ Uzume verbeugte sich, nickte, und ging.

Ihr fiel ein, dass Amaterasu als Kind tatsächlich immer gern zwischen den Bergwipfeln Verstecken gespielt hatte. Also wanderte sie zum Fuß des großen Berges und dort kuschelte sie sich erst einmal in eine große Astgabel und schlief. Susanowo, der überall ist, versuchte immer wieder, sie mit seinen Sturmfingern zu pieksen und herunterzuschubsen, und natürlich regnete es fortwährend. Aber Uzume, die auch seine Amme gewesen war, kannte alle seine Tricks, und da er sie liebte, ließ er sie irgendwann in Ruhe.

Als sie aufwachte, war es Morgen, aber immer noch so dunkel wie am Abend. Und es regnete und war kalt. „Kind, Sonne, wenn ich Dich nicht bald finde, dann wachsen mir noch Pilze aus den Ohren, ich bin mir sicher, das willst Du nicht“. Natürlich erhielt sie keine Antwort. Leise seufzend machte sie sich auf den Weg und suchte in den Bergen nach Amaterasu.

Sie lief den ganzen Tag, sie suchte im Tal, in der Schlucht, in den Wipfeln, hinter dem Berg, und unter dem Berg, und fand – nichts. Weit und breit keine Sonne, nur Regen und Sturm.

Endlich fiel ihr ein, dass im Berg die alte Drachenmutter hauste. „Liebste Ohme, hast Du einen Tee für mich? Ich suche schon den ganzen Tag nach der Sonne und draußen ist es sehr ungemütlich“. Die Ohme ließ sie in ihre Höhle und drückte ihr schweigend eine Tasse Tee in die Hand. Mit einem Wink ihres Schweifs lud sie sie ein, es sich irgendwo gemütlich zu machen.

Drachenhöhlen sind nicht besonders aufgeräumt, man muss aufpassen, dass man den Drachen nicht verärgert, denn das könnte dumm ausgehen, und der Geruch würde Dir vermutlich auch nicht angenehm in der Nase sein. Nach dem Regen und dem Sturm draußen und dem ständig anschwellenden Menschengejammer, das Uzume ins Ohr drang, war der Drachenhort für sie dennoch der erholsamste und friedlichste Ort, den sie sich vorstellen konnte.

Ihr wisst ja, dass die Drachen das Privileg haben, in ihrem Bauch einen unerschöpflichen Vorrat an Sonnenstrahlen zu hüten, und so strahlte die Drachenmutter von innen heraus.
Uzume wärmte sich an ihrem Glanz und vermisste Amaterasu gleich noch mehr. Sie hatte schon fast vergessen, wie Sonne sich auf der Haut anfühlt.

„Oh, Ohme, wie gut das tut. Ich danke Dir. Kannst Du mir bitte helfen, Amaterasu zu finden?“, fragte sie. „Du trägst die Sonne in Dir, kannst Du nicht spüren, wo sie ist?“

Die Drachenmutter grollte, und Uzume wich ein wenig zurück. „Weiß der Himmel, die Menschen haben meinem Geschlecht nichts Gutes getan. Warum sollte ich ihnen helfen?“
„Ach, Ohme, ich weiß, wo ich auch hinkomme, jeder sagt mir dasselbe. Aber ist es wirklich schon soweit, dass wir die bekannte Welt untergehen lassen sollen? Wer erzählt dann an den Feuern Geschichten über uns, wer fertigt die wunderbaren Schätze, die Deine Familie so liebt? Und abgesehen davon, was wird aus Amaterasu? Was wird aus der Sonne, wenn sie nicht scheint, und niemanden hat, der sich an ihrem Glanz freut und sich an ihr wärmt? Wo auch immer sie ist, es muss einsam um sie sein. Bitte hilf mir, sie zu finden.“
Die Drachenmutter hatte Mitgefühl mit der alten Amme und zeigte mit ihrer Schwanzspitze auf einen der gegenüberliegenden Berge. „Sieh dort drüben nach, dort habe ich sie zum letzten Mal gesehen“. Uzume trank ihren Tee aus, verbeugte sich, nickte, und ging.

Draußen war es noch kälter geworden, es stürmte und regnete immer noch.
Uzume wickelte sich fester in ihren Umhang und lief zum Berg gegenüber. Eine große Felsscheibe, die nicht so aussah, als hätte sie schon immer dort gelehnt, stand vor einer Bergwand und – Uzume traute ihren Augen kaum – am Fuß der Scheibe schlich sich ein schmaler heller Schein aus dem Berg. „Amaterasu“, rief sie aufgeregt, „Amaterasu, endlich, Göttin, Sonne, habe ich Dich gefunden. Bitte komm heraus“. „Geh weg, was suchst Du mich?“ „Amaterasu, die Menschen vermissen Dich, wir vermissen Dich. Susanowo ertränkt uns noch mit seinem Regen. Hörst Du nicht das Klagen der Menschen?“ „Ach, die Menschen und ihr Gejammer,“ kam es ärgerlich aus dem Berg. „Mein Vater und das kosmische Gleichgewicht. Mein Bruder Susanowo. Wenn Du wüsstest, wie mich das alles langweilt. Solange ich da bin, nehmen mich alle als selbstverständlich. Und jetzt fällt ihnen nichts klügeres ein, als sich darüber zu beschweren, dass ich fehle? Tut mir leid, aber damit lockst Du noch nicht einmal einen alten Schuh hinterm Ofen hervor, geschweige denn mich aus meinem Refugium. Wenn Du sehen könntest, wie gemütlich ich es mir hier eingerichtet habe, es ist einfach wunderbar. Dank des Krachs meines Bruders höre ich auch nicht viel vom Geheule der Menschen. Geh einfach weg und stör mich nicht.“

Uzume, die auch Amaterasus Tricks genau kannte, kümmerte sich nicht um sie. Sie holte eine große Trommel aus ihrem Umhang, setzte sich unter einen Felsüberhang, wo es einigermaßen trocken und geschützt war und trommelte. Genau mit dem Herzschlag der Erde trommelte sie, und so wurde der Trommelschlag immer lauter und durchdringender und er war überall bei den Göttern und Menschen zu hören. „Kommt und seht,“ rief die Trommel, „kommt und seht“.
Götter und Menschen machten sich auf dem Weg, und da es natürlich immer noch regnete und stürmte, waren sie nicht besonders guter Laune, als sie ankamen.
„Uzume, was rufst Du uns an diesen entlegenen Ort, wo wir den Unbillen Susanowos noch mehr ausgeliefert sind?“, riefen sie, als sie ankamen.
Uzume wies stumm auf den schmalen hellen Lichtstreifen, der immer noch stetig aus dem Berg kroch.
Gemeinsam versuchten Menschen und Götter die Felsscheibe zu verrücken, aber vergeblich. Amaterasu beschimpfte sie und sagte, sie sollten weggehen, sie wolle allein sein.
Wie Menschen so sind, kümmerten sie sich nicht darum, obwohl der Himmelsvater natürlich wieder auf das kosmische Gleichgewicht hinwies.
Die Felsscheibe aber bewegte sich nicht, was auch immer sie versuchten.

Also schlugen die Menschen ein Lager auf um zu beratschlagen, zündeten die Feuer an (Uzume sorgte heimlich dafür, dass Susanowo sie nicht dauern ausblies) und da es ein langer Weg zum Berg gewesen war, aßen sie erstmal etwas, erzählten sich Geschichten und sangen.
Uzume hörte aus dem Berg ein leises Seufzen und lächelte. Die Scheibe aber blieb an ihrem Ort, obwohl immer mal wieder jemand sich daran versuchte, sie mit Manneskraft oder Zauberworten zu verrücken. So ging es in den nächsten Tagen und Nächten. Tagsüber wurde die Scheibe erforscht, gedrückt, gestoßen und bewegte sich nicht. Abends wurde erzählt, über den Regen gejammert und gesungen. Aber außer den dünnen Seufzern, die nur Uzume hörte, kam nichts aus dem Berg.

Es näherte sich der Zeitpunkt, an dem Tag und Nacht gleich lang sind. Von ihm wussten die Menschen noch, obwohl es nun schon so lange nur noch Nacht war, dass sie es auch hätten vergessen können. Uzume sagte, sie wollte ein Fest veranstalten. Genau vor der großen Felsscheibe wurde ein Feuer geschlagen. Dahinter wurde als Symbol für die abwesende Sonne eine große blank polierte Messingscheibe aufgestellt, in der sich  das Feuer und der Berg spiegelten. Uzume gebot den Menschen, für heute über den Regen und den Sturm zu schweigen. Susanowo schickte sie weg, um an anderer Stelle Unfug zu treiben, und zu ihrer Überraschung ging er.

Uzume trommelte. Die Menschen tanzten dazu. Die Narren machten ihre Späße und endlich kam es, das wieder einmal reines fröhliches Gelächter zum Himmel stieg, gänzlich ungetrübt von dem sonst so stetigem Gejammere über das Wetter. Uzume spürte eine gewisse Unruhe im Berg und lächelte.
Uzume selbst stieg auf den großen Stein am Feuer. Die Flammen flackerten und sie begann sich zum Trommelklang zu wiegen. Graziös ließ sie ihren Umhang fallen, und Kirchern brach unter den Zuschauern aus. Die alte Göttin strippte. Und da gab es schon etwas zu sehen: Wie sie so nach und nach ihre etwas verblichenen Reize enthüllte, mit runzeligen Hüften wackelte und ihren faltigen Bauch kreisen ließ, das war schon was. Als sie dann auch noch ihre Hängebrüstchen abwechselnd über ihre Schultern warf und an ihren langen, etwas ausgeleierten Schamlippen im Takt des Trommelwirbels zupfte, steigerte sich das Gelächter immer mehr und die Zuschauer wieherten vor Lachen.

Plötzlich erzitterte der Berg, und die Felsscheibe rollte zur Seite. Im Eingang stand Amaterasu. Sie hatte es vor lauter Neugierde nicht mehr ausgehalten, worüber denn da bitte so gelacht werde vor ihrem Berg.

Sie stand genau im Eingang der Höhle, vor sich das Feuer und den Stein mit Uzume und hinter dem Feuer erblickte sie die spiegelnde Scheibe, die ihr gleichen sollte.

Amaterasu sah sich neben Uzume im Spiegel – sie, die junge erblühte strahlende Göttin (die Falten, die sie sich im feuchten ungemütlichen Berg geholt hatte, lächelte der Feuerschein freundlich weg). Sie spiegelte sich neben ihrer alten Amme Uzume, die immer noch tanzte und sich zu den Trommelklängen räkelte, und so sah sie alles.
Schönheit, Gelächter, Jugend, Alter, Tanz, Trommeln, Liebe, Trauer, Hitze und Kälte, Werden und Vergehen, Rückzug und Hingabe.
Uzume reichte ihr die Hand und zog sie auf den Stein und gemeinsam mit den Menschen tanzten sie und tanzten und tanzten und lachten die ganze Nacht hindurch.

So kam die Sonne in die Welt zurück. Und wenn wir aufhören, über den Regen zu jammern und stattdessen die Sonnenstrahlen ehren, wenn sie unsere Haut erwärmen, dann bleibt sie auch da.

 

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goettinnenprojekt goes foolish

Über Sylvester habe ich an einem Kurs „Mit Narrenfreiheit ins neue Jahr“ teilgenommen – und das war der zauberhafteste, berührendste und vergnügteste Jahreswechsel seit langem (gebucht über http://www.wirkstatt.com).

Eugenia Gea Maranke (http://www.theater-narrenspiegel.de/ und http://www.tut-hannover.de) lehrte uns die Grundzüge des Fooling, einer Improvisationstheaterform, die Franki Anderson (GB) erfunden hat. Der Narr (eher im Sinne des Tarots als des Karnevals zu verstehen) spielt Komödie wie Tragödie und hält dem königlichen Publikum den Spiegel vor. Szenen, Geschichten, Autobiografisches kamen so auf die Bühne, mal flossen Tränen, meist wurde unglaublich viel gelacht, gekichert, gekullert, gehopst, gesungen… Die Lieblingsrequisiten reichten von einer Muschelhälfte, die ihrer zweiten Hälfte hinterherträumt, über ein weißes Blatt Papier, das sich danach sehnt, bemalt zu werden, bis zu meinem Ritualstab, der diesmal Hekate als Stütze an einer Wegkreuzung diente, wo sie uns mit ihrem Höllenhund erwartet und uns bei mancher Entscheidung hilft (wenn wir sie denn hören).
Es wurden ungeahnte neue Talente entdeckt (unerreicht: R.E. als filosofish-foolishe Weinbergschnecke und H.P. als Quad) und erfahrene begeistert beklatscht (E.R. und Ch.F. als Dreamteam über Rituale und Anti-Rituale). Ich bin noch ganz am Nachschmecken all dieser vielen wunderschönen Momente, die mir nach und nach wieder einfallen, und habe hier noch nicht mal ansatzweise alle zauberhaften DarstellerInnen erwähnt. Hmhmjamja!

Achtung! Nebenwirkung: Fooling macht süchtig! Ich hab mich gleich für den nächsten Kurs angemeldet!

 

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goettinnenprojekt im Mittelalter

Der Wunsch war: Göttinnengeschichten erzählen. Live. In einem freundlichen Umfeld.

Die Idee dazu: Das ganze auf Mittelaltermärkten probieren.
Da passen die Geschichten rein, da ist für die Marktbesucher wie für die Teilnehmer Zeit zuzuhören.

Seitdem habe ich ein neues Hobby: Rausfinden, zu welchem Zeitpunkt im Mittelalter Göttinnengeschichten noch erzählt werden konnten, ohne wegen Heidentums ernsthaft Ärger zu bekommen und dann einen auch für die Living-History-Darsteller glaubhaften Charakter zu erschaffen, der die Geschichten erzählen kann. Andernfalls finden einen zwar vielleicht die Besucher der Märkte toll, nicht aber die Darsteller überzeugend…

Bin momentan in etwa zu Beginn des 8. Jahrhunderts in Ettlingen angelangt, danach hat sich das Christentum endgültig durchgesetzt. Und nun geht’s an die Recherche, welche Kleidung, welcher Schmuck, welche Tätigkeit passen würde. Zum Glück ist die Mittelalterszene zum einen etwas für Individualisten und zum anderen wirklich humorvoll. Interessenten an der Reenactor -/ Living-History-Szene sei www.mittelalterforum.com ans Herz gelegt. Ein wirklich nettes Forum, in dem teilweise sehr heftig diskutiert, aber auch sehr viel gelacht wird.

Hätte ja nicht vermutet, mit welcher Begeisterung ich mich da reinstürzen würde. Und die Entscheidung fürs Regionale war genau richtig. Ich entwickle gerade eine ganz andere Beziehung zu Ettlingen, seitdem ich mich mit den Wurzeln dort auseinandersetze… Mal sehen, wie das weitergeht.

 

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Neue Links

Nachdem ich den Frust über den Herzog-Film losgeworden bin, hab ich auch noch was positives geschafft, und endlich meine Links um all die spannenden Frauen ergänzt, die ich in den letzten Monaten so kennengelernt habe, Netze weben. Wen ich nicht persönlich kenne, aber deren / dessen Seite ich trotzdem interessant finde, findet sich unter Weitere göttliche Links.

Ich freue mich, wenn das keine Einbahnstraße ist, sondern ich „zurückverlinkt“ werde – ist aber nicht soo wichtig.

 

Höhle der vergessenen Träume – Chauvet Höhlen

Es hätte so schön sein können.
Dem Filmteam von Werner Herzog wurde eine Woche lang 4 Stunden täglich der Zutritt zu den Chauvet-Höhlen gewährt, die sonst nur WissenschaftlerInnen zugänglich sind. Dort befinden sich steinzeitliche Wandmalereien in fantastischem Erhaltungszustand.

Was aber zeigt der Film? Das Filmteam. WissenschaftlerInnen. Immer wieder Knochen von Höhlenbären (wohl weil die plastischer in 3D wirken als die zweidimensionalen Zeichnungen) und zum Schluss auch noch ein Atomkraftwerk sowie Albino-Krokodile.

Die Zeichnungen, die eigentlich die Hauptrolle spielen sollten, kommen kaum vor, wir haben nachher darüber diskiutiert, ob sie überhaupt 30% des Films ausmachen. Ich dachte die ganze Zeit, dass es vielleicht einfach nicht so viele Bilder wären, dass sie einen Film füllen könnten – tatsächlich wurden 400 Zeichnungen in der Höhle gefunden, wie ich hinterher las. Das hätte man angesichts des Films nie vermutet.

Die Geschwindigkeit der Bilder wäre einem Hauptbahnhof angemessen, nicht aber einem Tempel.
Die Kamera zoomt mitten ins Bild, so dass man nichts erkennt, schwenkt weg, sofort weiter, weiter, hastig. Keine Zeit, ein Bild zu erfassen, mit den Augen auszumessen, es ins Herz zu nehmen, sich darauf einzulassen.

Dabei hätte die 3D-Technik die Chance eröffnet, sichtbar zu machen, wie die Bilder die Wandgegebenheiten einbeziehen und dadurch plastisch werden – verschenkt. Dauernd schwätzt irgendjemand über die Bilder und die Höhle und die Bilder und jede Menge Nebensächlichkeiten, aber in Ruhe gezeigt werden sie nicht. Und darüber gelegt melodramatische sakrale Musik, die zusätzlich ablenkt.

Herzog traut weder den Bildern, noch der Ruhe, die in den Höhlen herrscht. Bezeichnend die Szene, in der der Leiter des Wissenschaftstrupps sagt, dass man jetzt schweigen solle, um die Stille der Höhle zu erfahren. Die Zuschauerin freut sich darauf nach dem orgiastischen Musiklärm. Vergeblich, denn für sie wird ein Pseudoherzschlag eingeblendet – klar, sonst hätte sie die Stille nicht verstanden.

Dass der Film nebenbei ein weiteres Mal die Entdeckerin der Venus vom Hohle Fels, Maria Malina, hinter ihren Chef zurücktreten lässt, der ihr großzügig nach vielen überflüssigen Worten gestattet, die von ihr gefundene Venus doch noch selbst vorzustellen, passt da vollkommen ins Bild. Das Wesentliche hat hinter die Show der „Wichtigen Männer“ zurückzutreten.

Die einzige Person, die glaubhaft widerspiegelt, was die Höhlen bedeuten, ist ein junger Wissenschaftler, der erzählt, dass er zu Beginn seiner Forschungstätigkeit seine Arbeit nach 5 Tagen unterbrechen musste, weil er die Intensität nicht aushielt. Ihm nimmt man seinen Bezug zur Höhle und ihren Wundern ab.

Besonders ärgerlich finde ich, dass man sich jetzt wohl auch noch die DVD zulegen muss, um dann – ohne Ton – und im Standbild in Ruhe die Bilder betrachten zu können.

Es hätte so schön sein können.

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 13/11/2011 in Aktuelles, Film

 

Neue Seite: Eure Göttinnen-Veranstaltungen

Da weitaus die meisten Anfragen zur Vernetzung mich zum Thema „Kannst Du unsere Göttinnen-Veranstaltung mitankündigen?“ erreichen, habe ich jetzt hierfür eine neue Seite „Eure Göttinnen-Veranstaltungen“ eingerichtet und schau mal, wie das so klappt und ob das das Netz freut. Ihr könnt dort Eure Veranstaltungen per Kommentarfunktion eintragen (Links auf Eure eigenen Seiten sind erwünscht). Nähere Spielregeln siehe auf der Seite.
Diese Idee bestätigt mich darin, dass der Umzug von der statischen Seite zum Blog sinnvoll war, auf dem es sehr viel einfacher ist, das einzurichten.

Nach wie vor freue ich mich außerdem über Eure Göttinnengeschichten, die ich gern veröffentliche.

goettinnenprojekt

 

goettinnenprojekt goes vegan?

Versuche mit diesem Planeten im Frieden zu leben…

Ich war vor kurzem auf einer Meditationswoche auf dem www.benediktushof-holzkirchen.de. Dort gab es ausschließlich vegetarisches Essen. Ich hatte schon einige Zeit vorgehabt, wieder vegetarisch zu leben, aber irgendwie in meiner Business-Welt nicht so richtig den Absprung vom Wurstbrötchen geschafft. Diese Woche mit wunderbar leckerem Essen war also genau der richtige Kick, um jetzt endlich die Kurve zu bekommen. Seitdem (ca. 5 Wochen) probiere ich mich also im vegetarischen Essen.

Zwischenzeitlich las ich „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer und wurde daran erinnert, dass es fragwürdig ist, die armen Schlachtviecher zu bedauern, gleichzeitig aber Milch und Eier zu essen. Nachdem die Milchkühe und Eierlegerinnen „verbraucht“ sind, kommen sie ja ebenso unters Messer; von frühzeitigem Kälbertod und Kükenschreddern mal ganz abgesehen (ja, sich damit zu beschäftigen, ist nicht wirklich hübsch. Das hatte ich bisher schön ausgeblendet, weil mir klar war, dass ich sicherlich nicht mit meinem bequemen Leben weitermachen kann, wenn ich mir die Fakten erstmal angeschaut habe).

Das hat ganz schön viele Fragen aufgeworfen:

  • Also doch vegan leben?
  • Und wie ist das mit den Nährstoffen?
  • Ich liebe Milchkaffee und Rührei, soll ich da echt drauf verzichten?
  • Nur Gemüse, roh oder gekocht, hinterlässt in meinem Magen ein ziemlich ungesättigtes Gefühl.
  • Irgendwie sind beim Kochen bei mir Sahne und / oder Eier dabei, zu den Kartoffeln gehören Butter und Quark…

Verlustängste schleichen sich ein…

Erstmal ausprobieren, dann urteilen. Also habe ich beim nächsten Einkauf in meinem Bioladen mal geschaut, was es eigentlich so alles an veganen Alternativprodukten gibt.

Neben den Aufstrichen, die ich ohnehin schon kenne, fand ich vor allem Sojaprodukte – und viele Fertigprodukte. Wieso nur kommt mir die Sojamilch im Tetrapak unsympathischer und „künstlicher“ vor als Kuhmilch? Ganz zu schweigen von den Soja-„Joghurts, die ich testweise gekauft habe. Schmeckt mir wie Pappe und sieht nicht natürlich aus, außerdem habe ich das Gefühl, es liege mir im Magen. Warum ist eigentlich bei so vielen veganen Produkten im Regal die Mindesthaltbarkeit bereits abgelaufen? Bin ich etwa die einzig Doofe?

Aha. Ich konstatiere innere Widerstände bei mir. Ok, also dann muss ich mich offenbar erstmal innerlich noch mehr mit dem Thema auseinandersetzen. Ich suche im Internet nach vernünftigen, nicht zu missionarischen Seiten, immer auf der Suche nach Informationen:

Was macht es denn mit der Erde, wenn wir jetzt alle Soja zu uns nehmen statt Milch? Flächenverbrauch, Monokultur, Saatgut, Gentechnik?
Wie gesund ist das mit dem Soja eigentlich?

Die Seite, auf der ich finde, wo überall Tierprodukte zu finden sind, macht mich nicht heiterer (wußte die geneigte Leserschaft, dass Zucker mit Tierkohle entfärbt wird? Tierkohle? Ist das das, was ich vermute? Gut, dass ich meinen Kaffee schon ewig ohne Zucker trinke).

Heute morgen habe ich mich dabei ertappt, dass ich völlig verkrampft war, weil mir klar wurde, dass ich diesen ganzen Anforderungen überhaupt nicht gerecht werden kann. Ich bin zwar an manchen Stellen ein Schlamper, aber an anderen eine große Perfektionistin. Und die fing gerade an, durchzudrehen…

Also, tief durchatmen und überlegen, was denn meine Kriterien, Begrenzungen und Glaubenssätze zum Thema Essen sind sind und dann schauen, dass ich für mich einen guten Weg finde:

  • Ich bin berufstätig und das ziemlich intensiv; meinen Essrhythmus kann man nur als unregelmäßig bezeichnen.
  • Ich finde alles, was missionarisch ist, ganz schrecklich. Keinesfalls will ich, dass ich anfange, so zu werden, oder auch selbst so behandelt zu werden.
  • Andererseits habe ich durchaus rigide Züge; d.h. wenn ich mir mal was in den Kopf gesetzt habe, dann ziehe ich das auch durch. Da sorge ich mich, dass ich mich vor lauter vorbildlicher veganer Lebensweise um den Lebensgenuss bringe (ja, ich bin sicher, man kann auch vegan genießen; vorausgesetzt, ich bin nicht völlig verkrampft, weil ich den Maßstäben anderer Leute genügen möchte).
  • Ich lebe alleine und koche – wenn ich dann mal frei habe – nicht sehr gern und häufig; lieber gehe ich essen.
  • Wenn ich einkaufe dann bitte bio, soweit machbar.
  • Mein Lieblings-„Fastfood“ sind frische Nudeln mit hausgemachtem Pesto vom Nudelladen nebenan.
    D.h. industriell hergestellte „Grünkern-Burger“ und eingeschweißter Tofu gruseln mich ähnlich wie Pommes von McCain oder Chicken Mc Nuggets.
  • Mein Glaube in die Ernährungswissenschaften ist sehr begrenzt. Was die mir schon alles erzählt haben, über gesunde und ungesunde Ernährung (Kaffee ist schädlich, Kaffee ist gesund. Salz bitte keines, jetzt vielleicht aber doch. Cholesterin, gutes & schlechtes oder doch alles die Gene?). Insofern ess ich nur das, worauf ich Appetit habe und was mir schmeckt
  • Und Soja schmeckt mir nicht (noch nicht?). Hafermilch lustigerweise aber doch – und die kann man sogar selbst machen („Ja, ja,“ sagt mein Anti-Fertigprodukte-Gen, „aus Haferschmelzflocken. Noch denaturierter geht vermutlich nicht mehr, oder?“)

Eine Freundin, der ich erzählt habe, dass ich das mit vegan mal probieren möchte, bringt mir spontan von ihrem nächsten Einkauf im Bioladen „Vollkorn-Knäcke Delikatess ohne Hefe gebacken, ungesüßt, vegan“ mit. Finde ich total hinreißend, diese Unterstützung. Andererseits: „Knäckebrot“? Ist das jetzt mein Schicksal???“ Denn natürlich, über Brotentzug hatte ich noch gar nicht nachgedacht – Eier, Milch und Butter sind in den Backwaren ja sicher zuhauf enthalten.

Ich will zu meiner Mami!

Jetzt knabbere ich erstmal zum Trost an meinem Knäckebrot (weil ich nämlich Hunger habe, der Laden zu hat und nur noch Sojaghurt im Kühlschrank ist) und finde es, naja, trocken und mäßig geschmackvoll. Ich könnte natürlich mal probieren, wie der vegane Aufstrich dazu passt.

Außerdem habe ich eben endlich eine Seite gefunden, die ganz viel – schön aufgemachte – Informationen und Links zum Thema Vegan bietet und auf der ich jetzt erstmal rumstöbere. Danke an die MacherInnen von www.http://www.culinaria-vegan.de/!

Über Soja im allgemeinen und besonderen habe ich inzwischen auch einiges gelesen. Zusammengefasst: Nichts genaues weiß ich nicht. Ein großer Teil der Ernte für die Bio-Sojadrinks kommt aus Brasilien (ohne Regenwaldgebiete) und Kanada. Na toll. Da kauf ich extra kein Gemüse, das fliegt, und dann sauf ich literweise Sojamilch, deren Zutaten aus Brasilien kommen? Das ist ja dann bestimmt super für den Planeten…

Ich seh schon, ohne Kompromisse wird es nicht gehen. Und für heute ist Schluss mit der Welterforschung.

 
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Verfasst von - 18/07/2011 in vegan

 

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