RSS

goettinnenprojekt goes vegan?

18 Jul

Versuche mit diesem Planeten im Frieden zu leben…

Ich war vor kurzem auf einer Meditationswoche auf dem www.benediktushof-holzkirchen.de. Dort gab es ausschließlich vegetarisches Essen. Ich hatte schon einige Zeit vorgehabt, wieder vegetarisch zu leben, aber irgendwie in meiner Business-Welt nicht so richtig den Absprung vom Wurstbrötchen geschafft. Diese Woche mit wunderbar leckerem Essen war also genau der richtige Kick, um jetzt endlich die Kurve zu bekommen. Seitdem (ca. 5 Wochen) probiere ich mich also im vegetarischen Essen.

Zwischenzeitlich las ich „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer und wurde daran erinnert, dass es fragwürdig ist, die armen Schlachtviecher zu bedauern, gleichzeitig aber Milch und Eier zu essen. Nachdem die Milchkühe und Eierlegerinnen „verbraucht“ sind, kommen sie ja ebenso unters Messer; von frühzeitigem Kälbertod und Kükenschreddern mal ganz abgesehen (ja, sich damit zu beschäftigen, ist nicht wirklich hübsch. Das hatte ich bisher schön ausgeblendet, weil mir klar war, dass ich sicherlich nicht mit meinem bequemen Leben weitermachen kann, wenn ich mir die Fakten erstmal angeschaut habe).

Das hat ganz schön viele Fragen aufgeworfen:

  • Also doch vegan leben?
  • Und wie ist das mit den Nährstoffen?
  • Ich liebe Milchkaffee und Rührei, soll ich da echt drauf verzichten?
  • Nur Gemüse, roh oder gekocht, hinterlässt in meinem Magen ein ziemlich ungesättigtes Gefühl.
  • Irgendwie sind beim Kochen bei mir Sahne und / oder Eier dabei, zu den Kartoffeln gehören Butter und Quark…

Verlustängste schleichen sich ein…

Erstmal ausprobieren, dann urteilen. Also habe ich beim nächsten Einkauf in meinem Bioladen mal geschaut, was es eigentlich so alles an veganen Alternativprodukten gibt.

Neben den Aufstrichen, die ich ohnehin schon kenne, fand ich vor allem Sojaprodukte – und viele Fertigprodukte. Wieso nur kommt mir die Sojamilch im Tetrapak unsympathischer und „künstlicher“ vor als Kuhmilch? Ganz zu schweigen von den Soja-„Joghurts, die ich testweise gekauft habe. Schmeckt mir wie Pappe und sieht nicht natürlich aus, außerdem habe ich das Gefühl, es liege mir im Magen. Warum ist eigentlich bei so vielen veganen Produkten im Regal die Mindesthaltbarkeit bereits abgelaufen? Bin ich etwa die einzig Doofe?

Aha. Ich konstatiere innere Widerstände bei mir. Ok, also dann muss ich mich offenbar erstmal innerlich noch mehr mit dem Thema auseinandersetzen. Ich suche im Internet nach vernünftigen, nicht zu missionarischen Seiten, immer auf der Suche nach Informationen:

Was macht es denn mit der Erde, wenn wir jetzt alle Soja zu uns nehmen statt Milch? Flächenverbrauch, Monokultur, Saatgut, Gentechnik?
Wie gesund ist das mit dem Soja eigentlich?

Die Seite, auf der ich finde, wo überall Tierprodukte zu finden sind, macht mich nicht heiterer (wußte die geneigte Leserschaft, dass Zucker mit Tierkohle entfärbt wird? Tierkohle? Ist das das, was ich vermute? Gut, dass ich meinen Kaffee schon ewig ohne Zucker trinke).

Heute morgen habe ich mich dabei ertappt, dass ich völlig verkrampft war, weil mir klar wurde, dass ich diesen ganzen Anforderungen überhaupt nicht gerecht werden kann. Ich bin zwar an manchen Stellen ein Schlamper, aber an anderen eine große Perfektionistin. Und die fing gerade an, durchzudrehen…

Also, tief durchatmen und überlegen, was denn meine Kriterien, Begrenzungen und Glaubenssätze zum Thema Essen sind sind und dann schauen, dass ich für mich einen guten Weg finde:

  • Ich bin berufstätig und das ziemlich intensiv; meinen Essrhythmus kann man nur als unregelmäßig bezeichnen.
  • Ich finde alles, was missionarisch ist, ganz schrecklich. Keinesfalls will ich, dass ich anfange, so zu werden, oder auch selbst so behandelt zu werden.
  • Andererseits habe ich durchaus rigide Züge; d.h. wenn ich mir mal was in den Kopf gesetzt habe, dann ziehe ich das auch durch. Da sorge ich mich, dass ich mich vor lauter vorbildlicher veganer Lebensweise um den Lebensgenuss bringe (ja, ich bin sicher, man kann auch vegan genießen; vorausgesetzt, ich bin nicht völlig verkrampft, weil ich den Maßstäben anderer Leute genügen möchte).
  • Ich lebe alleine und koche – wenn ich dann mal frei habe – nicht sehr gern und häufig; lieber gehe ich essen.
  • Wenn ich einkaufe dann bitte bio, soweit machbar.
  • Mein Lieblings-„Fastfood“ sind frische Nudeln mit hausgemachtem Pesto vom Nudelladen nebenan.
    D.h. industriell hergestellte „Grünkern-Burger“ und eingeschweißter Tofu gruseln mich ähnlich wie Pommes von McCain oder Chicken Mc Nuggets.
  • Mein Glaube in die Ernährungswissenschaften ist sehr begrenzt. Was die mir schon alles erzählt haben, über gesunde und ungesunde Ernährung (Kaffee ist schädlich, Kaffee ist gesund. Salz bitte keines, jetzt vielleicht aber doch. Cholesterin, gutes & schlechtes oder doch alles die Gene?). Insofern ess ich nur das, worauf ich Appetit habe und was mir schmeckt
  • Und Soja schmeckt mir nicht (noch nicht?). Hafermilch lustigerweise aber doch – und die kann man sogar selbst machen („Ja, ja,“ sagt mein Anti-Fertigprodukte-Gen, „aus Haferschmelzflocken. Noch denaturierter geht vermutlich nicht mehr, oder?“)

Eine Freundin, der ich erzählt habe, dass ich das mit vegan mal probieren möchte, bringt mir spontan von ihrem nächsten Einkauf im Bioladen „Vollkorn-Knäcke Delikatess ohne Hefe gebacken, ungesüßt, vegan“ mit. Finde ich total hinreißend, diese Unterstützung. Andererseits: „Knäckebrot“? Ist das jetzt mein Schicksal???“ Denn natürlich, über Brotentzug hatte ich noch gar nicht nachgedacht – Eier, Milch und Butter sind in den Backwaren ja sicher zuhauf enthalten.

Ich will zu meiner Mami!

Jetzt knabbere ich erstmal zum Trost an meinem Knäckebrot (weil ich nämlich Hunger habe, der Laden zu hat und nur noch Sojaghurt im Kühlschrank ist) und finde es, naja, trocken und mäßig geschmackvoll. Ich könnte natürlich mal probieren, wie der vegane Aufstrich dazu passt.

Außerdem habe ich eben endlich eine Seite gefunden, die ganz viel – schön aufgemachte – Informationen und Links zum Thema Vegan bietet und auf der ich jetzt erstmal rumstöbere. Danke an die MacherInnen von www.http://www.culinaria-vegan.de/!

Über Soja im allgemeinen und besonderen habe ich inzwischen auch einiges gelesen. Zusammengefasst: Nichts genaues weiß ich nicht. Ein großer Teil der Ernte für die Bio-Sojadrinks kommt aus Brasilien (ohne Regenwaldgebiete) und Kanada. Na toll. Da kauf ich extra kein Gemüse, das fliegt, und dann sauf ich literweise Sojamilch, deren Zutaten aus Brasilien kommen? Das ist ja dann bestimmt super für den Planeten…

Ich seh schon, ohne Kompromisse wird es nicht gehen. Und für heute ist Schluss mit der Welterforschung.

Werbeanzeigen
 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - 18/07/2011 in vegan

 

Schlagwörter: , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: