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Höhle der vergessenen Träume – Chauvet Höhlen

13 Nov

Es hätte so schön sein können.
Dem Filmteam von Werner Herzog wurde eine Woche lang 4 Stunden täglich der Zutritt zu den Chauvet-Höhlen gewährt, die sonst nur WissenschaftlerInnen zugänglich sind. Dort befinden sich steinzeitliche Wandmalereien in fantastischem Erhaltungszustand.

Was aber zeigt der Film? Das Filmteam. WissenschaftlerInnen. Immer wieder Knochen von Höhlenbären (wohl weil die plastischer in 3D wirken als die zweidimensionalen Zeichnungen) und zum Schluss auch noch ein Atomkraftwerk sowie Albino-Krokodile.

Die Zeichnungen, die eigentlich die Hauptrolle spielen sollten, kommen kaum vor, wir haben nachher darüber diskiutiert, ob sie überhaupt 30% des Films ausmachen. Ich dachte die ganze Zeit, dass es vielleicht einfach nicht so viele Bilder wären, dass sie einen Film füllen könnten – tatsächlich wurden 400 Zeichnungen in der Höhle gefunden, wie ich hinterher las. Das hätte man angesichts des Films nie vermutet.

Die Geschwindigkeit der Bilder wäre einem Hauptbahnhof angemessen, nicht aber einem Tempel.
Die Kamera zoomt mitten ins Bild, so dass man nichts erkennt, schwenkt weg, sofort weiter, weiter, hastig. Keine Zeit, ein Bild zu erfassen, mit den Augen auszumessen, es ins Herz zu nehmen, sich darauf einzulassen.

Dabei hätte die 3D-Technik die Chance eröffnet, sichtbar zu machen, wie die Bilder die Wandgegebenheiten einbeziehen und dadurch plastisch werden – verschenkt. Dauernd schwätzt irgendjemand über die Bilder und die Höhle und die Bilder und jede Menge Nebensächlichkeiten, aber in Ruhe gezeigt werden sie nicht. Und darüber gelegt melodramatische sakrale Musik, die zusätzlich ablenkt.

Herzog traut weder den Bildern, noch der Ruhe, die in den Höhlen herrscht. Bezeichnend die Szene, in der der Leiter des Wissenschaftstrupps sagt, dass man jetzt schweigen solle, um die Stille der Höhle zu erfahren. Die Zuschauerin freut sich darauf nach dem orgiastischen Musiklärm. Vergeblich, denn für sie wird ein Pseudoherzschlag eingeblendet – klar, sonst hätte sie die Stille nicht verstanden.

Dass der Film nebenbei ein weiteres Mal die Entdeckerin der Venus vom Hohle Fels, Maria Malina, hinter ihren Chef zurücktreten lässt, der ihr großzügig nach vielen überflüssigen Worten gestattet, die von ihr gefundene Venus doch noch selbst vorzustellen, passt da vollkommen ins Bild. Das Wesentliche hat hinter die Show der „Wichtigen Männer“ zurückzutreten.

Die einzige Person, die glaubhaft widerspiegelt, was die Höhlen bedeuten, ist ein junger Wissenschaftler, der erzählt, dass er zu Beginn seiner Forschungstätigkeit seine Arbeit nach 5 Tagen unterbrechen musste, weil er die Intensität nicht aushielt. Ihm nimmt man seinen Bezug zur Höhle und ihren Wundern ab.

Besonders ärgerlich finde ich, dass man sich jetzt wohl auch noch die DVD zulegen muss, um dann – ohne Ton – und im Standbild in Ruhe die Bilder betrachten zu können.

Es hätte so schön sein können.

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Ein Kommentar

Verfasst von - 13/11/2011 in Aktuelles, Film

 

Eine Antwort zu “Höhle der vergessenen Träume – Chauvet Höhlen

  1. irka

    08/05/2012 at 10:56

    Herzog traut nicht nur den Bildern nicht, er traut dem eigenen Medium Fim nicht. Und wenn frau sich die ganzen Dokus anschaut, die in den letzten Jahre produziert worden sind, dann stellt sich die Frage nach den angenommenen Sehgewohnheiten, die die Kamera und später den Schnitt dazu veranlassen, rasante, ruhelose Bilder zu produzieren. Leider sind solche Filme/Dokumentationen dadurch die DVD nicht wert, auf der sie zu finden sind:(

     

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